WORLD TEAM CUP 2004

Hoofddorp / Holland - Oesterreichs Damen sensationell

Endstand nach 39 Spielen - 3 Runden (vor dem Stepfinale der besten 3 Teams): Oesterreich sensationell auf dem 6. Platz!

Damen: England gewinnt vor USA und Deutschland
Herren: Gold fuer USA, Silber an Niederlande, Bronze fuer Belgien

 

Die Semifinal- und Finalspiele der besten 3 Teams Damen und Herren

 

Bericht 6: 5. Tag

 

Nach den bisherigen guten Leistungen und auf Grund der geringen Abstände zwischen Platz 4 und 8 war für den letzten Tag eine heiße Schlacht um die Plätze zu erwarten. England und USA hatten wohl nichts mehr zu befürchten und auch Deutschland müsste einen rabenschwarzen Tag erwischen, um noch aus den Step Plätzen zu fallen. Aber Platz 8 (derzeit Österreich) trennen nur 4,5 Punkte von Platz 4 (derzeit Schweden & Kanada).

Ungeachtet der Mathematik lautete unsere Devise auch heute wieder : Punkte sammeln wo geht und als ehrgeiziges Nebenziel, der USA zumindest einen Punkt abzunehmen, denn das ist die einzige Nation, der wir bislang keinen Punkt abringen konnten.

Das erste Spiel gegen Italien war uns auch eine spezielle Freude, denn wir wussten um unsere Stärke zur frühen Stunde und außerdem sind die ja auch unsere „Lieblingsgegner“ . Nach der Punkteteilung im ersten Aufeinandertreffen und dem 2:1 Sieg in der zweiten Runde sollte heute ein voller Erfolg her. Obwohl die Damen diesmal nicht so fulminant aus den Startlöchern kam, reichte es in der ersten Partie noch zu einem 193:168 Sieg. Die zweite Partie begann ungünstig mit zwei offenen in Frame 2 und 3, sowie einem Split in Frame 4, den Patricia aber räumte. Danach aber war Schluss mit lustig. Solide Spareleistung und ein Vierling am Ende sicherten uns den 194:164 Sieg und damit die erwünschten 3 Punkte !

Dermaßen motiviert gingen wir ins Spiel gegen unseren direkten Gegner um die Plätze, Kanada. Gegen die Ahornblätter hatten wir eine ausgeglichene Bilanz von 3:3 nach 2 Aufeinandertreffen. Das erste Spiel gewannen wir mit 215 zu 168. Beim Seitenwechsel erlaubte sich eine Kanadierin die Aussage : „jetzt holen wir uns noch 2 Punkte“. Dies hörten unsere Mädels gar nicht gerne. So legten sie kurzer Hand noch ein Schäuflein nach und begruben die Punktehoffnungen der Kanadier mit 222 zu 190 zur Gänze. Wertvolle 3 Punkte kamen somit auf unser Konto.

Jetzt folgte das Spiel gegen Niederlande, wo es beiden Teams gelang, die Not gegen Elend Partie vom 3 Tag zu wiederholen. Wieder kam es in einem von Fehlern und Nervosität geprägten Spiel zum entscheidenden Duell im 10er Frame zwischen Ivo und Ghislaine. Die Holländerin eröffnete nach einem offenen 9er Frame mit dem notwendigen Strike. Ivo warf sich den Ball diesmal zwar nicht an den Knöchel aber dennoch am 1er vorbei – Durchstich – 5er Anwurf. Hoffnung keimt auf den Holländern. Entgegen der Regel wartete Ghislaine auf den zweiten Wurf von Ivo, wohl in der Hoffnung, dass ihr nach einem offenen Frame der Druck abgenommen würde. Aber so was geht bei unserer Pipsi nicht rein- Durchstich geräumt und volle Hosen bei Ghislaine, die diesmal aber doch den lebensnotwendigen Strike machte. Jetzt lag alles in Ivos Hand. Mit einem Strike gewinnen wir die Partie um 1 Punkt. Und wieder wartet Ghislaine. Wo ich normalerweise den Schiedsrichter auf diesen Regelverstoß hinweisen würde, ließ ich es diesmal gut sein, denn ich vertraute auf unsere Ivonne. Zu recht : Strike hoch in der Gasse, Ghislaine warf darauf den Ball missmutig zu einem 6er Anwurf nach vor. Gesamt ging die Partie zwar 2:1 verloren, doch dieser Punkt war für die Moral sehr wichtig, da wir gegen die Chinesen im nächsten Spiel unbedingt 3 Punkte brauchten, um den Anschluß nicht zu verlieren. Wenn auch der recht sichere 8 Platz schon ein Erfolg gewesen wäre, so konnte man förmlich spüren, dass die Mädels jetzt mehr wollten, weil sie sahen, dass es auch auf Grund der Auslosung – wir hatten im letzten Spiel unser drittes bye und somit noch 3 sichere Punkte – noch möglich war.

Also mit Volldampf rein in die Schlacht gegen die gelbe Gefahr. Nach den ersten 3 Frames (Split, Spare, Lasser = 36 Pin) sah es ja nicht gerade gut aus. Aber wie schon so oft in diesem Bewerb kämpften sich die Damen ins Spiel zurück. Als uns dann noch die Chinesen im 9er Frame mit einem Räumfehler die Tür öffneten, war es um sie geschehen. Nach einem Zwilling im 8. und 9. Frame, schloß Ivo mit 9-Spare-9 die Tür und machte den Chinesen das Licht aus. Das hatten diese wieder nicht so gern und sie starteten das zweite Spiel mit Strike-Spare-Zwilling, während wir brav und geduldig sparten. Bis zum 10er Frame hatten wir nur 1 Strike im 5. Haus zu verzeichnen, die Chinesen hatten derer 4 aber auch wieder ein offenes Frame. Einmal mehr lag es an Ivo diese Partie noch an uns zu reißen, dennoch bedufte es dazu der Hilfe der Frühlingslollen. Und sie waren so frei, in dem sie zunächst mal kein Strike warfen. Dies brachte Ivo aber immer noch in die Situation, zumindest einen Zwilling werfen zu müssen. Nachdem sie das getan hatte, stand mir erst mal etwas Wasser in den Augen. 3 Punkte und noch 2 Spiele to go. Ich verbeuge mich vor der Leistung dieser Truppe !

Im darauf folgenden Spiel gegen Schweden „verschenkten“ wir 3 Punkte. Im ersten Spiel gingen wir pingleich (167) sowie jeder mit einem Strike im 9er Frame in die Entscheidung. Sowohl Ivo als auch Helen Johnsson warfen 8, Ivo allerdings ein Split. Helen räumte = 1 Punkt Schweden. Im zweiten Spiel hatten wir 3 offene, dennoch wäre ein Sieg auf Grund eines Sparefehlers der Schweden im 10er Frame möglich gewesen. Dazu hätte Ivo ausstriken müssen, damit wir um 1 Pin gewinnen. Diesmal gelang es nicht, aber wer will da was sagen. Schweden gewinnt glücklich und setzt sich damit 3,5 Punkte vor Österreich an die 4. Stelle. Wir noch immer 8. Wenn wir jetzt wenigstens einen Punkt machen, dann ist uns dieser Platz auf Grund des byes in der letzten Runde nicht mehr zu nehmen.

Und dieser Punkt gelang gleich im ersten Spiel gegen die USA. Während wir bis auf 1 Split nur 9-Spares und 3 Strikes hatten, verzeichneten die Amis 2 offene. Das war ein Lasser zu viel und wir hatten wir hatten beide Ziele erreicht : den Punkt gegen USA, um unsere Abschussliste zu komplettieren und den 8. Platz abgesichert.

Nun konnten wir in Ruhe unser bye heimspielen und Ivo aus der Mannschaft nehmen, um ihre gute Platzierung in der „Einzelwertung“ (!!! Ja, das gibt´s hier, aber dazu später mehr) nicht womöglich durch ein Split zu gefährden.

Dennoch war es auf Grund des Punktestandes noch äußerst spannend für uns. Wir konnten zwar nicht mehr eingreifen, aber mathematisch ging sich ein Sprung auf Platz 6 aus. Dazu müsste aber England die Taipei Chinesen und USA die Holländer jeweils 3:0 schlagen. Eine ähnliche Situation hatten wir ja schon in Norwich, wo wir uns als 6 direkt qualifiziert hätten, wenn die Deutschen damals die Italiener geschlagen hätten.

Im Gegensatz zum Europacup hielten sich die bereits fix qualifizierten Favoriten an die Papierform und schlugen ihre Gegner wie erhofft 3:0 und damit war einer der größten Erfolge im Österreichischen Damenbowling Realität geworden. Unsere Mädels, Monika Schmotz, Jacky Broinger, Evi Norzt, Gabi Loos, Patricia Klug und Ivonne Gross belegten in einem hochkarätigen Starterfeld, in dem mehrere Welt- und Europameister mitspielten, den hervorragenden 6. Gesamtrang, noch vor Holland, Finnland und den Titelverteidigern aus Malaysia !

Jetzt standen mir wirklich die Tränen in den Augen. Nach den Erfolgen mit meinen Youngsters war dieser WTTC einer meiner schönsten Erlebnisse. Eine Mannschaft so kämpfen zu sehen, dass ist es wofür TT und ich die ganzen Jahre gearbeitet haben und noch immer arbeiten. Wenn dieser Einsatz dann auch noch so belohnt wird, dann ist es wohl das schönste, was einem Betreuer und Funktionär von seinen Spielern geschenkt werden kann.

 

Das Resümee aus diesen wunderbaren 8 Tagen kann und will ich jetzt nur in kurzen Worten zusammen fassen. Später wird sicher mehr dazu folgen, nachdem ich mit meinem Freund und Mitvater dieser Erfolge, Thomas Tybl gesprochen habe und die Erkenntnisse aus diesem WTTC analysiert habe.

 

Bis dahin, liebe Bowlingfreunde, haltet euch diese Mannschaft und die Art und Weise, wie deren Erfolg zu Stande gekommen ist, IMMER vor Augen :

 

·         Ohne geleitetes und organisiertes Training hier her gefahren

·         Bis zu letzt nicht gewusst, ob überhaupt jemand mit Ihnen fahren wird

·         Technisch schwächer als viele Spieler hier vor Ort das Maximum an Leistung abgerufen

·         Teamgeist und Kampfgeist bewiesen in jeder Phase dieses langen Wettkampfs

·         NIEMALS aufgegeben, gekämpft bis zum Umfallen und immer guter Laune

·         Zu keiner Zeit das gesteckte Ziel aus den Augen verloren

 

Das ist der Stoff, aus dem nicht nur die Träume sind (einer ist ja jetzt wahr geworden), das ist vor allem der Stoff, aus dem unsere Spieler, unser Liga unsere Funktionäre gemacht sein sollten. Wie immer nach unseren Erfolgen hoffe ich auch diesmal, dass dies nicht ein Erfolg für die Geschichte, sondern für die Zukunft gewesen ist.

 

Standings after Round 3 Match 13 - Men
 #

 Country

 Games

 Pinfall

 Average

 Points
 1  United States of America  78  16305  209.04  78.5
 2  Belgium  78  15948  204.46  74.5
 3  Netherlands  78  15823  202.86  72.0
 4  Finland  78  16232  208.10  69.0
   Norway  78  15949  204.47  69.0
 6  Malaysia  78  15956  204.56  68.5
 7  Chinese Taipei  78  15963  204.65  63.5
 8  Sweden  78  15706  201.36  60.5
 9  Qatar  78  15413  197.60  58.0
 10  Canada  78  15412  197.59  53.5
 11  England  78  15147  194.19  51.0
 12  Germany  78  15460  198.21  50.5
   People's Republic of China  78  14991  192.19  50.5

 

Standings after Round 3 Match 13 - Women
 #

 Country

 Games

 Pinfall

 Average

 Points
 1  United States of America  78  16202  207.72  83.0
 2  England  78  15692  201.18  82.5
 3  Germany  78  15807  202.65  77.0
 4  Canada  78  15462  198.23  68.0
 5  Sweden  78  15586  199.82  67.0
 6  Austria  78  14758  189.21  64.5
 7  Netherlands  78  15350  196.79  64.0
   Finland  78  15312  196.31  64.0
   Chinese Taipei  78  15291  196.04  64.0
 10  Malaysia  78  15338  196.64  62.0
 11  People's Republic of China  78  15087  193.42  58.0
 12  Italy  78  14341  183.86  41.5
 13  Iceland  78  13275  170.19  23.5

 

Bericht 5: 4. Spieltag (nach 32 Spielen)

 

Am heutigen Tag mussten wir gegen noch Italien und China spielen um den 2. Durchgang zu vervollständigen. Gerade gegen die Italiener, die uns – wie schon früher gesagt – in Norwich genervt hatten und auch in der ersten Begegnung mit ihrem Glück nicht viel Freude bereiteten, war dei Motivation besonders hoch. Auch die Tatsache, dass wir im ersten Spiel noch jedem Gegner Punkte abgenommen haben, sprach für uns (wenn es im Auto auch meist anders aussieht, so scheinen die Mädels „Morgenmenschen“ zu sein ?!).

Im ersten Spiel waren wir nahezu gleich auf mit unseren Gegnern, jedoch machten WIR keinen Sparefehler. Das Ergebnis daher 214 zu 200 für uns. Im Grunde genommen die Erfüllung aller Theorie zum Thema Bakersystem : eine Mannschaft spielt gut, d.h. ein ausgewogenes Verhältnis an Spare und Strike – in unserem Fall 2 Doppel, 1 Strike, 3 Neuneranwürfe gespart und 2 Achteranwürfe gespart – ergibt also gesamt 214 Pin. Der Gegner leistet Ähnliches, jedoch haben die Italiener einmal 8-1 und 2 Siebeneranwürfe, was 200 ergibt. Nicht schlecht aber nicht genug.

Warum ich das so hervorhebe ist, weil ich hoffe, dass alle ambitionierteren Spieler und da vor allem meine Youngsters, einmal darüber nachdenken, wie wichtig es ist, die Anzahl der vermeidbaren Fehler gering zu halten (und 5,6 oder 7 Anwürfe sind vermeidbar ebenso wie Sparefehler auf Einzelpins), denn Split und Fehler unter Druck kommen ja auch noch dazu. Und gerade im Bakersystem kann man durch Strikeketten nicht über mangelnde Sparesicherheit hinwegtäuschen.

Das zweite Spiel bestätigte diese Tatsache. Nachdem diesmal wir einen Räumfehler mehr zu verzeichnen hatten verloren wir das Spiel mit 166:178, was unser aber immer noch den Gesamtsieg und damit 2 Punkte brachte.

Die Chinesen wurden danach wie schon in der ersten Begegnung mit 3:0 abgefertigt. Je 1 open Frame pro Partie, sonst keine besonderen Vorkommnisse.

Mit den schlecht gestarteten Titelverteidigern aus Malaysien begann nun die 3. und letzte Runde. Haben wir sie beim ersten Aufeinandertreffen noch kalt erwischt, sie uns dafür beim zweiten Mal, so war es diesmal eher ein heißer Tanz. Zwei nicht geräumte Achteranwürfe in den Frames 1 und 2 kosteten uns den Sieg im ersten Spiel. Zwar knapp mit 215 zu 225 verloren, aber ab dem 3. Frame wieder die bisherige Moral bewiesen. Das gab natürlich auch Hoffnung für das 2. Spiel, aber ein Split im 6. Frame bremste unsere gut spielenden Mädels. Wieder knapp mit 186:189 verloren, aber dennoch Kraft getankt, die wir für unseren nächsten Gegner, Finnland, brauchen werden. Unsere bisherige Bilanz aus den 4 Spielen 2:4 Punkte, obwohl wir jedes Mal ein 3:0 in der Hand hatten. Diesmal wollten unsere Damen alles und die Finnen halfen uns auch im ersten Spiel mit 3 open Frames = 194:168 für Österreich. Im zweiten Spiel spielten die Finnen fehlerlos, aber unsere Damen ebenfalls. Mit einem Vierling und 6 mal 9-Spare machten sie diesmal den Sack zum 3:0 Sieg zu. Ein wirklich schöner Moment für einen Betreuer, wenn man von finnischer Seite ein anerkennendes „tough game“ zugeraunt bekommt.

Jetzt folgten unsere „byes“, die Ponys aus Island. Diesmal setzten sie sich im ersten Spiel heftig zu Wehr, aber die Mädels ließen sich trotz 4 Strikes aus den ersten 5 Würfen der Isländer nicht aus der Ruhe bringen. Geduldig warteten sie auf den Fehler und der kam im 7. Frame. Danach half den Ponys auch ein Doppel im 8. und 9. Frame nichts mehr, denn wir machten keinen Fehler und sparten die Partie mit 206 zu 200 nach Hause. Das war´s dann auch schon mit dem Widerstand der Isländer. Das 2. Spiel ging mit 209:151 deutlich an Österreich = 3:0 Punkte.

Im 4. Spiel des letzten Durchganges ging es noch einmal gegen England. Das erste Spiel erinnerte nicht nur vom Ergebnis an die letzte Begegnung - mit 168 zu 183 verloren (zuletzt 166 zu 180) ! Im zweiten Spiel nahmen wir das Geschenk des 9-0 im sechsten Frame nicht an, spielten ebenfalls 9-0 und verloren auch dieses Spiel (192:222). Bilanz aus 3 mal England = 7:2 Punkte, aber die Engländer liegen seit dem ersten Tag in Führung. Also in Wahrheit 2 gewonnene Punkte !

Im Spiel 7 des heutigen Tages hatten die Taipei Chinesen das Glück auf ihrer Seite. Gewannen sie das erste Spiel noch halbwegs verdient Dank eines Fünflings im Finish (halbwegs deshalb, weil sie sich doch 2 offene leisteten, was ohne der 5er Kette sicher nicht gereicht hätte), so verloren wir das 2. Spiel durch einen Split im 10er Frame. Dies stimmt aber auch nur mathematisch, denn ohne die beiden Räumfehler im 2. und 6. Frame hätten wir die 6 fehlenden Pins für einen Punkt auch machen können. Aber wie gesagt, der Bewerb dauert jetzt schon sehr lange und das insgesamt hohe Niveau, dass man hier ständig halten MUSS, zehrt an der Substanz. Unsere Mädels leisten Gewaltiges und spielen seit 4 Tagen an ihrem obersten Limit. Man kann über Sparefehler nicht hinwegsehen, doch sind sie anders zu beurteilen, wenn sie HIER geschehen, als in unserer heimischen Liga, wo es nicht einmal annähernd eine Herausforderung dieser Art gibt. Hier in Hoofddorp spielt eine isländische Mannschaft, daheim finden wir nur Island.

So gingen unsere Damen einmal mehr mit dem gewissen „das büßen jetzt die Deutschen“ in die letzte Begegnung des heutigen Tages. Und unsere Nachbarn mussten es tatsächlich büßen. Zwar warfen sie wie schon in der letzten Begegnung 4 Strikes am Schluss, doch hatten wir diese schon am Anfang, wo Patricia Schwarz mit einem 5-4 Open die Niederlage der Deutschen einleitete. Am Ende knapp aber verdient 214 zu 211 für Östereich. Im 2. Spiel war dann aber die Luft draußen und wir beendeten diesen Tag mit einer 2:1 Niederlage gegen Deutschland. Insgesamt aus den 3 Partien haben wir nur 1,5 Punkte geholt, was nicht wundert, wo doch die Österreicher die Aktion „Nachbar in Not“ erfunden haben.

 

Sieben Spiele vor Schluss halten unsere Wunderdamen mit 50,5 Punkten am 8. Platz. Auf die ex äquo 4.Platzierten Schweden und Kanada fehlen uns nur 4,5 Punkte und beide stehen morgen noch am Menüplan. Die Taipeis sind 3,5 und die Finnen1,5 vor uns, haben aber beide mit England und Deutschland schwere Gegner und außerdem kein bye mehr, welches wir glücklicher Weise im letzten Spiel dieser WTTC Vorrunde bestreiten dürfen, was uns für morgen 3 Punkte in jedem Fall sichert. Nicht zu vergessen auch, dass der Kampf um den 3. Platz und damit den Einzug ins Finale morgen seinen Höhepunkt erreichen wird. Bei den betroffenen Nationen liegen die Nerven blank, Siegen wird zur Pflicht und was dabei herauskommen kann, wenn man etwas erzwingen will, ist wohl jedem bekannt. Wir können also wirklich entspannt in diese letzte Runde gehen, denn unsere Damen haben sich bereits jetzt etwas erkämpft, was wertvoller als jede Medaille ist : den Respekt der Großen ! Diese Mannschaft hat das Österreichische Damenbowling in einem Licht dargestellt, das zwar nicht der heimischen Realität entspricht, aber der Seele der Österreichischen Bowling SPORTLER gut tut. Ich hoffe nur, die Mädels sind sich dessen auch bewusst und genießen diese Anerkennung, freuen sich über das Geleistete und wissen es zu schätzen.

Wie ich schon nach Aalborg 2001 gesagt habe : im Konzert der Großen mitzumischen ist sehr schwer bis unmöglich. Bislang haben unsere Damen das geschafft und ich sehe keinen Grund, warum sich da morgen etwas ändern sollte.

 

Einmal noch Daumen halten daheim, Kämpfen, Kratzen und Beißen hier in Hoofddorp und dann können wir uns zurücklehnen und stolz sein auf unsere kleine Österreichische Damendelegation, die aus einem Minimum schon jetzt das Maximum herausgeholt hat!

 

Bericht 4: 3. Spieltag (nach 24 Spielen)

 

Am berühmten 3. Tag zeigte sich, dass ein Bewerb dieser Länge, auch wenn man nicht ununterbrochen spielt, den Spielern einiges abverlangt. Konditionelle Schwächen machen sich jetzt deutlich bemerkbar. Sowohl in der Art und Weise des Spieles als auch natürlich in den Ergebnissen. Die routinierten Spieler können das etwas überspielen, die Topspieler sind ohnehin auch in der körperlichen Fitness besser als der Rest und die „Kleinen“, zu denen wir hier trotz allem immer noch zählen, haben eben sichtbar Probleme. Mangelnde Ausdauer, Körpergewicht und die ungewohnt lange Konzentration fordern jetzt Tribut.

Aber gleich vorweg, unsere Damen zogen sich hier gut aus der Affäre. Dazu verhalf uns die brutale Auslosung mit England, Schweden, USA, Finnland, Holland und Deutschland gleich hintereinander. Erstens motivieren solche Gegner ungemein und zweitens hatten wir uns hier wirklich nichts auszurechnen. Selbst bei einer 0-Runde hätten wir – gleichen Einsatz wie in den beiden vorangegangenen Tagen vorausgesetzt – den Damen keinen Vorwurf machen können. So gingen wir wohl müde, doch unbefangen in die erste Partie gegen England.

Der Anfang war seltsam. Als würden beide Teams nicht gewinnen wollen begannen sowohl wir als auch die Engländer mit 6-3 und danach gleich noch einem offenen Frame auch die anschließenden Srtike-Spare-Strike waren gleich. Die Engländer leisteten sich sogar noch ein offenes Frame, aber auch 1 Doppel sowie einen Drilling im 10er Frame. Damit hatten sie das bessere Ende für sich. Im 2. Spiel zeigten dann unsere Mädels, dass sie nicht von ungefähr auf diesem sensationell guten Platz lagen. Mit 7 Strikes sowie einem Drilling von Ivo im 10er Frame ließen sie den Engländern nicht den Funken einer Chance. Mit 257 zu 187 holten wir schließlich 2 Punkte – Punkte, mit denen wir nicht gerechnet hatten.

Danach folgte Schweden. Die routinierte Truppe mit Helen Johnsson, Asa Wetterlund, Eva Jönsson (beste Dame beim Vienna Open), Malin Gledert und Linda Haglund zeigten perfektes Bowling und warfen uns 258 um die Ohren. Ob dieser Chancenlosigkeit begnügten wir uns mit 163 und sparten die Kräfte fürs zweite Spiel. Dieses gewannen wir durch ein tolles Finish noch 199 zu 190. Und schon wieder wanderte ein unerwarteter Punkt auf unser Konto.

Danach war gegen die USA etwas die Luft draußen. Obwohl sie Amis 2 offene in Serie produzierten, gewannen sie das erste Spiel mit 190 zu 154. Im zweiten bäumten wir uns nochmals auf (192) aber die Titelanwärter aus den USA ließen uns mit 247 diesmal keinen Punkt mitnehmen.

Gegen unsere nächsten Gegner, die Finnen, kamen wir anfangs nicht mit den Verhältnissen zu recht. Schlechten Anwürfen (nur 8er und 7er) folgten Räumfehler und so konnte uns auch ein Drilling nicht vor der Niederlage retten. Doch auch jetzt setzte sich der Kampfgeist unsere Damen durch. Keineswegs resignierend oder entmutigt holten sie sich Spare um Spare. Auch die Anwürfe wurden besser und so kamen die Finnen unter Druck. Aber die Geschichte wiederholt sich und so geschah Ähnliches wie im ersten Aufeinandertreffen am Donnerstag. Ivo, unsere Festung am Schluß, hatte bei gutem Gasseneingang ein 7-10 Split und wieder lag es an Katja Kyllönen den Sieg für die Finnen herauszuschießen. Dazu brauchte sie aber einen Drilling, den sie mit kaltblütiger Routine warf. Austria no points !

Jetzt kommen wir zum wohl seltsamsten Spiels des Bewerbes. Das  erste Spiel gegen Holland. Gegenseitig schubsten wir uns die Verantwortung zu. Bis ins 10er Frame schienen alle zu warten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten beide Teams 2 offene Frames und je einen Spare am 9er Frame. Holland lag 11 Pins vorne. Ghislaine van der Tol war sichtlich nervös. Ein holpriger Anwurf brachte noch glückliche 9. Jetzt warteten alle auf den erlösenden Strike von Ivo (den sie bisher nahezu immer gebracht hatte, wenn wir in brauchten), doch der Knöchel machte alle Hoffnungen zunichte. Ivo warf den Ball in die Rinne ! Wir hatten den Rinnenschub noch kaum verarbeitet, da warf Ghislaine am 6er vorbei und Ivonne räumte ihre 10er Gruppe – jetzt waren wieder die Holländer dran mit Entsetzt sein, denn die zum 2. mal gewonnene Partie konnte jetzt mit einem Strike von Ivo noch zu einem Remis umgewandelt werden. Doch der auch dieser Strike blieb aus und so endete diese an Spannung kaum zu überbietende, hochklassige Partie mit dem verdienten Ergebnis von 154 : 157 !!!

ABER es wären ja nicht unsere Mädels, wenn sie so etwas auf sich sitzen lassen würden. Mit brennenden Augen (und einem Knöchel) warfen sie sich in die Schlacht und 220 Pins dazu. Schön, dass Ivo dieses Spiel mit einem Doppel und 9 beendete. Ich war wirklich beeindruckt – nein, eigentlich gerührt, von so viel Kampfgeist. Das ließ mich irgendwie an Thomas Muster erinnern, über dessen Kampfgeist man auch immer sagte : „eigentlich untypisch für Österreicher“ !

Jetzt noch Deutschland und wir haben die schwersten 4 Stunden dieses WTTC verdammt gut überstanden.

In diesem Spiel hatten wir anfangs sogar gute Chancen einen Punkt zu stehlen, doch eine fehlerfreie Partie mit 201 nützte nichts, da Deutschland mit einem Vierling am Schluß noch 203 warf. Naja, Shit happens. Danach begannen unsere Nachbarn mit einem 7-ling. Wir spielten erneut eine fehlerfreie Partie (193), mussten aber die übermächtigen 257 zu Kenntnis nehmen. 3 zu Null für Deutschland – auf Grund der Leistung auch verdient, wenngleich uns wir ebenfalls einen Punkt verdient hätten.

Im vorletzten Spiel des Tages hatten wir eigentlich gehofft, dass wir ein wenig durchatmen könnten, doch die Truppe aus Chinese Taipei wurde mit Fortdauer des Bewerbes stärker und zu einem unserer direkten Konkurrenten. Müßig zu erwähnen, dass unsere Damen, körperlich schon ziemlich angeschlagen (im wahrsten Sinne des Wortes), beschlossen, ihre Gegner in die Schranken zu weisen. Mit der dritten fehlerfreien Partie in Serie legten sie den Grundstein zum 3:0 Sieg. Auch in der zweiten Partie hatten die Damen nur einen Sparefehler zu verzeichnen, dafür 2 Doppel, was zum Gesamtsieg reichte. Jetzt waren wir wieder 2,5 Punkte vor den Taipeis und einen halben Punkt vor Kanada an der 4. Stelle und gerade die Kanadier, die wir am Vortag mit 3:0 abgefertigt haben, waren unsere letzten Gegner.

Doch wenn Körper und Geist müde sind, dann hilft auch der berühmte Kampfgeist nichts. Wenngleich die Damen NIE aufgaben, so hatten sie aber auch nichts mehr zuzusetzen. Als die Kanadier im ersten Spiel nach 2 offenen (ebenso wie wir) einen Vierling warfen, konnten wir nur mehr mit einem Doppel kontern. Ein weiterer Sparefehler beendete den Traum vom Punktgewinn. Den darauf folgenden 235 konnten wir nichts mehr entgegensetzen und so mussten wir die Kanadier vorbei auf den 4. Platz lassen.

Nachdem aber die Taipeis die Finnen mit 3:0 besiegten, lagen wir jetzt ex äquo mit Schweden einen halben Punkt hinter Chinese Taipei und Finnland (ebenfalls ex äquo) auf Platz 7. Nach wie vor ein tolles Ergebnis, nicht nur der Platzierung wegen, sondern auch punktemäßig. Vom 4. Platz trennen uns gerade mal 2,5 Punkte und vom 11. Platz sind wir 9 Punkte entfernt – also auch ein schöner Polster. In jedem Fall traue ich mich jetzt schon zu sagen, dass ein Platz zwischen 8. und 4. möglich ist, was uns vorher sicher auch niemand zugetraut hat.

 

Mittlerweile hoffe ich nicht mehr, ich weiß, dass es in dieser Tonart weitergehen wird. Die Damen stecken nicht nur voll Ehrgeiz, sie haben auch echten Spaß am Spielen – und am Gewinnen. Und je länger der Bewerb dauert, umso mehr wird den großen Nationen bewusst, dass es Österreich sein wird, das das Zünglein an der Waage ist. Wer ins Step will, der MUSS gegen uns Punkte machen und dass man diese nicht geschenkt bekommt, haben alle schon einmal erfahren müssen.  

 

Zwischenstand nach 24 von 39 Spielen (nach dem 3. Spieltag):

Standings after Round 2 Match 11 - Women
 #

 Country

 Games

 Pinfall

 Average

 Points
 1  England  48  9547  198.90  56.0
 2  United States of America  48  9956  207.42  52.0
 3  Germany  48  9664  201.33  48.0
 4  Canada  48  9452  196.92  41.0
 5  Finland  48  9358  194.96  39.0
   Chinese Taipei  48  9335  194.48  39.0
 7  Sweden  48  9664  201.33  38.5
   Austria  48  9095  189.48  38.5
 9  People's Republic of China  48  9274  193.21  36.0
 10  Netherlands  48  9477  197.44  35.0
 11  Malaysia  48  9478  197.46  33.0
 12  Italy  48  8880  185.00  29.5
 13  Iceland  48  8227  171.40  18.5

 

Bericht 3: 2. Spieltag (nach 16 Spielen)

 

Gemäß unserer Parole „ Wir sind Außenseiter und Punktesammler“ gingen wir trotz der Platzierung unbeschwert ins erste Spiel gegen China. Die einzige Veränderung : wir beginnen heute mit Gabi Loos statt Monika in der Position des Startspielers.

Die Helikopter Damen hatten uns nur im 2. Spiel ein wenig in Verlegenheit gebracht, doch auch hier half uns das Glück.  Die Schlussspielerin Liao Peishan konnte nach einem 6er Anwurf im 10er Frame nicht räumen, dafür spielte Ivo Strike-Strike-9 und wieder waren 3 Big Points nach Hause gebracht. Das folgende Spiel gegen Schweden hatte Ähnlichkeiten mit der Partie gegen Deutschland. Das erste Spiel Unentschieden 202:202, im zweiten Spiel gelingt Malin Glendert das notwendige Doppel im 10 Frame und wir verloren 213:199. Wenn es dafür auch keine Punkte gibt, so möchte ich dennoch meinen, dass Einstellung der Mannschaft wirklich weltmeisterlich ist.

Im 11. Spiel des ersten Durchganges trafen wir jetzt auf Italien. Unser „Lieblingsgegner“ noch von Norwich her, wo sie uns jedes Mal mit viel Glück von der Schaufel gesprungen sind. Mit 200 zu 159 konnten wir im ersten Spiel zwar unsere Rachegelüste befriedigen, doch mit 174:215 im 2. Spiel trennten wir uns pingleich mit 1,5 zu 1,5 Punkten. Was uns eigentlich nur störte, weil es eben wiedermal die Italiener waren. Aber wir treffen uns ja noch 2 mal und dann .... na ja, schau ma´mal !

Im folgenden Spiel gegen die Damen aus USA blieben uns nicht viele Möglichkeiten auf Punkte. Mit 215 und 257 zeigten die Amerikanerinnen, was sie können und dass sie sicher nicht mehr lange auf Platz 8 rangieren werden.

Das letzte Spiel der ersten Runde bescherte uns die Kanadier, die zu diesem Zeitpunkt mit einem halben Punkt Vorsprung vor uns auf Platz 3 lagen, ex äquo mit Finnland. Die österreichischen Damen begannen von Start weg Stimmung und Druck zu machen und ließen den Ahornblättern nie den Funken einer Chance. Mit 389 zu 322 holten wir weitere 3 Punkte, während Finnland gegen Malaysien 3:0 verlor. Das bedeutete, dass Österreich nach dem ersten 13er Durchgang noch immer auf Platz 3 liegt, was viele Nationen in Verlegenheit bringt, wie etwa Titelverteidiger Malaysien, die mit 8 Punkten Rückstand auf dem 12. und vorletzten Platz liegen.

Dies bringt aber auch mit sich, dass die nächsten beiden Runden zum heißen Tanz werden. Denn mit Fortdauer des Bewerbes können es sich die Großen immer weniger leisten, gegen Teams wie Österreich Punkte liegen zu lassen, wenn sie ins Stepfinale wollen.

Im ersten Spiel der 2. Runde spielen wir wieder ohne Gegner, was die Möglichkeit zum Rasten und Wechseln bringt. Monika kommt für Evi ins Spiel mit dem Hintergedanken, Evi später im letzten Spiel für die langsam müde werdende Jacky rückzutauschen. Sichere 3 Punkte am Konto, gleichzeitig verliert Deutschland 2:1 gegen England und der Rückstand auf die Germanen schrumpft auf 1 Punkt.

Im vorletzten Spiel des heutigen Tages treffen wir wieder auf Island. Selber Gegner, selbes Ergebnis. Während wir 3 Punkte aufs Konto bekommen gewinnt Deutschland nur 2:1 gegen Malaysien und somit stehen die Österreichischen Damen kurzfristig sogar am 2. Platz ! Eine echte Sensation und doch ist es verdient. Wenn nur alle österreichischen Teams sich so verhalten würden wäre noch viele mehr für unser Land zu holen. Man müsste nur endlich einmal wirklich akzeptieren, dass sich Bowling zu einem Großteil im Kopf abspielt und wir mehr von der Stimmung und dem Umfeld abhängig sind, als von den vielzitierten Bahnenverhältnissen. Dies ist auch ein kleiner Seitenhieb auf meine geliebten Youngsters und soll auch gleich als Denkanstoß verstanden werden, wenn wir wieder einmal über die Teilnahme bei der Jugend EM 2005 reden !

Nun kommen wir noch zum letzten Spiel des heutigen Tages. Malaysien, noch immer 12., sinnt natürlich auf Revanche für die Erstrundenniederlage, benötigt aber noch viel mehr diese 3 Punkte um vom beschämenden vorletzten Platz weg zu kommen. Mit gutem Spiel und deutlich weniger Fehler als im ersten Spiel gelang es den Malaysiern die 3 Punkte zu holen. Damit verbesserten sich diese auf Rang 11 und wir beenden auch den 2. Tag auf Rang 3 !

 

An dieser Stelle nochmals Gratulation an die Damen, die das in sie gesetzte Vertrauen mehr als nur bestätigt haben. Sie repräsentieren unser Land hier in einem hochkarätigen Teilnehmerfeld, wie man es gar nicht mehr besser machen kann. Egal welche Platzierung am Ende herauskommt, was bisher erreicht wurde, ist schon mehr als man verlangen konnte.

 

Bericht 2: 1. Spieltag

 

Nach den beiden Practice Einheiten am Dienstag und Mittwoch war klar, dass unsere Mannschaft von der Stimmung und der Gruppendynamik her den Geist von Norwich nicht verloren haben. Es war also nur mehr zu klären, wer der erste Reservist sein würde und die Entscheidung fiel auf Gabi Loos, die schon in Norwich öfters die Rolle des Jolly Jokers übernommen hatte. Mit folgender Aufstellung nahmen wir dann die Jagd nach den Punkten auf :

Schmotz Monika / Broinger Jacqueline / Norzt Evi / Klug Patricia und Ivonne Gross.

 

Der erste Gegner war der zweite Außenseiter neben uns, die Damen von Island. Sie hatten uns schon aus Norwich in schlechter Erinnerung, denn dort beendeten wir den ETC mit einem 6:0 gegen die Isländer. Jetzt sollte es ihnen nur dahingehend besser ergehen, als dass es beim WTTC nur 1 Punkt pro Sieg gibt. Daher gewannen wir dieses Auftaktspiel „nur“ 3:0 ! Das Ziel vor Augen alle Punkte, die wir erkämpfen können zu holen, nach Möglichkeit nichts liegen zu lassen und sonst schauen, was die Großen uns zukommen lassen, spielten unsere Mädels kompromissloses Bowling und so gab es für die Isländerinnen nichts zu holen.

Jetzt folgte Malaysien, der Titelverteidiger ! Ein der Großen – also schauen wir mal. Und wie wir geschaut haben ! Und erst die Malaysier, als das Spiel ruck zuck 3:0 beendet war. Mit 204 und 238 nahmen wir unseren Gegnerinnen fast 100 Pins ab. So ein Spiel gibt natürlich Kraft und eine  schönen zusätzlichen Motivationsschub. Also voll Elan hinein in die Partie gegen Holland. Mit Kampfgeist und einem Quäntchen Glück, welches uns in Norwich noch gefehlt hatte, besiegten wir auch die Holländer mit 3:0 und standen nach 3 Spielen ex äquo mit England an der Spitze der Tabelle. Ein Auftakt, wie er besser nicht sein könnte. Die Stimmung war fantastisch, aber dennoch verloren wir nie unser eigentliches Ziel aus den Augen. Und das lautet noch immer Punktesammeln. Gedanken an Platzierungen oder gar Medaillen sind aus den Köpfen zu verbannen.

Das nächste Spiel gegen unsere Lieblingsnachbarn, die Deutschen war von Konstanz geprägt . Das erste Spiel endet Unentschieden 196 zu 196 (= 1 halber Punkt), das 2. Spiel beendeten wir wieder mit 196, die Deutschen hatten jedoch dank eines Doppels im 10er Frame die Nase vorn.

Was mich jetzt besonders freute war, dass keiner in der Mannschaft den Kopf hängen ließ und wir uns gleich wieder mit vollem Einsatz in die 5. Partie gegen England warfen.

Auch hier konnten wir eigentlich recht gut mithalten und verloren nur knapp (209:225 und 172:181). Nachdem aber auch andere Mannschaften immer wieder Punkte liegen ließen, standen wir noch immer auf Rang 3 mit nur 1 Punkt Rückstand auf Deutschland.

Jetzt folgte eine für mich richtungsweisende Partie – das Spiel gegen die zu der Zeit führenden Finnen. In diesem 6. Spiel hatten alle Mannschaften bereits mit der Kondition Probleme, erste Ermüdungserscheinungen traten auf. Dies führte letztendlich auch zur 165:166 Niederlage im ersten Spiel. Keine der beiden Mannschaften konnte sich entscheidend absetzen und so hing alles vom 10er Frame ab. Und gerade hier passierte der sonst wirklich hervorragend spielenden Ivonne nach 9-Spare ein 6er Anwurf. Katja Kyllönen antwortete mit einem Strike und wir verloren um 1 Pin. ABER jetzt kommt das bemerkenswerte : unbeirrt durch diesen verschenkten Sieg gingen die Mädels in die 2te Partie und man konnte den Siegeswillen geradezu spüren. Der verdiente 2:1 Sieg war daher die Folge und damit haben sich die Spielerinnen auch endlich selbst bewiesen, was TT und ich seit Jahren predigen : vergebenen Chancen nicht nachtrauern, sondern weiterkämpfen. Gewinner geben NIE auf, Aufgeber gewinnen NIE !

Dieser Weisheit musste sich im 7. Spiel letztlich auch Chinese Taipei beugen. Nachdem das erste Spiel mit 26 Pins Differenz verloren hatten, gewannen wir das zweite mit 28 Pins Unterschied. Wieder ein 2:1 Sieg und noch immer der 4. Platz, jetzt nur noch einen halben Punkt hinter Holland.

Die letzte Partie spielten wir ohne Gegner, also wieder 3 Punkte aufs Konto. Die Holländer verloren gegen Deutschland und so beendeten wir den ersten Tag sensationell und unerwartet auf Platz 3 !

 

 

 

Bericht 1

 

Heuer wird vom 16. bis 24. November zum letzten Mal der Weltteamcup der 5er Mannschaften ausgetragen. Der Modus ist im Bakersystem, wobei gegen jeden Gegner 3 mal 2 Spiele ausgetragen werden. Bei 13 teilnehmenden Mannschaften ergibt das inklusive der Partie ohne Gegner (bye) 39 mal 2 also insgesamt 78 Spiele aufgeteilt auf 5 Tage. Das erfordert natürlich gute Kondition, nicht etwa wegen der vielen Würfe. Nein, rein körperlich ist die Anforderung nicht so groß, wie geistig. Täglich über einen Zeitraum von rund 5 Stunden die Konzentration zu halten und pro Gegner punktgenau 4 mal abrufen zu können, das ist es was an die Substanz geht. Bei sich ändernden Bedingungen und wechselnden Anforderungen der einzelnen Gegner jedes Mal, wenn man auf die Bahn geht den bestmöglichen Wurf zu machen, mit dem Wissen, dass es in diesem System kein „Ausbessern“ gibt, verlangt von jedem Spieler vollste Fokussierung auf die jeweilige Aufgabe.

 

In unserem Fall war die Aufgabe auf Grund der Situation vorweg schon definiert : jeder Punkt ist ein Gewinn, verlieren können wir nichts.

Wer an den ETC in Norwich zurückdenkt, der kann sich vielleicht noch erinnern, dass ich damals geschrieben habe, welch tolle Moral unsere Spielerinnen an den Tag gelegt haben, und dass wir ihnen schon deshalb als Belohnung die (damals nicht budgetierte, weil nicht erwartete) Teilnahme am WTTC ermöglichen müssen. Ich habe weiters gesagt, dass ich es als ausgesprochene Freude bezeichnen möchte, mit dieser Damenmannschaft zu arbeiten und ihnen beim Bewerb zuschauen zu dürfen.

Vielleicht haben sich einige zu Hause gedacht, dass ich wieder einmal euphorisch bin und dass es beim WTTC, wo ja dann wirklich die Großen dieser Bowlingwelt zusammentreffen, wieder anders ausschauen wird. Sicherlich haben aber alle unseren Damen das Beste gewünscht, was immer das dann am Ende dieses Bewerbes sein wird. Und all diesen Sportkollegen kann ich erfreulicher Weise wieder nur tolle Nachrichten überbringen.

 

Wolfgang Lohschmid