JUGEND EM 2005
Antwerpen / Belgien
8. April 2005
5er Team Tag 2 :
Alles, was wir am ersten Tag schlecht gemacht hatten, war heute um Vieles besser. Die Truppe bewies von Start weg, warum sie eigentlich als Medaillenanwärter gehandelt wurden. Nachdem wir vor dem Start noch in der Stadt waren, um uns nicht unnötig durch langes Zusehen zu belasten, kamen wir gegen Ende des Squads in die Halle – was wir da am Scoreboard sahen war beruhigend und beängstigend zugleich.
Einerseits hatte kein Team (wir TT und ich es vermutet hatten) die 200er Marke erreicht, andererseits bewies das nur, wie schwierig es werden würde, diese verflixten 134 Pins vom Vortag aufzuholen.
Als ich den Presseraum kam, wollten einige schon mit Seija Laankinen auf die Goldmedaille für Finnland anstoßen, doch diese winkte ab und meinte „feiern wir mal eine Medaille, die Farbe wird Österreich bestimmen“ !
Ich kenne Seija schon lange und weiß, dass sie niemanden Honig ums Maul schmiert. Sie meinte das genau so, wie sie es gesagt hatte und alle anderen stimmten ihr zu. Jeder hier in der Halle traute den Österreichern zu, diesen Rückstand aufzuholen.
Als es dann losging, fanden wir endlich einmal von Start weg zu einem passablen Spiel. Schade war nur, dass wieder einmal die Strikeketten fehlten. Aber dier war niemandem ein Vorwurf zu machen. Einstellung, Kampfgeist und auch das Spiel selbst passte bei allen 5. Nach den 974 waren wir zwar noch im Rennen, doch es wurde immer schwerer. Auf Gold fehlten jetzt schon fast 180 Holz – ein Rückstand, der auf diesen Bahnen nahezu unaufholbar war. Aber auch für Bronze musste endlich eine wirklich hohe Partie her. Ich besprach mich kurz mit TT und dann entschlossen wir uns, es den Jungs zu sagen. Angriff total war angesagt – ob wir jetzt 4. oder 10. werden, war auch schon egal. Nebenbei beachteten wir noch die All Event Platzierungen. Da war klar, dass Michi in jedem Fall drinnen war, eigentlich war auf Grund seiner Verfassung auch Silber schon fix. Christoph konnte noch Bronze holen, aber die Quali war eigentlich auch schon gelaufen (bis zu diesem Zeitpunkt jedenfalls).
Die 5. Partie begannen unsere Burschen toll. Sie warfen brav ihre Strikes, Mario begann sogar mit einem 5-ling, aber dann kamen wider diese unnötigen Sparefehler. Insgesamt 8 an der Zahl dazu 4 Split kosteten uns die nötige hohe Partie. Statt 1060 waren es dann 1002 und wir mussten im letzten Spiel 1058 werfen, um noch auf ´s Stockerl zu kommen.
Jetzt bewahrheitete sich eine alte Bowlingweisheit, die wir zwar unseren Spielern auf den Weg mitgegeben hatten, an die sich aber Christoph nicht halten konnte. Die mögliche All Event Medaille im Hinterkopf spielte er auf das Ergebnis und scheiterte daran. Das und einige Verweigerer, die uns einmal mehr an schönen Strikeserien hinderten, ließen uns noch 954 draufsetzen, was für einen Medaillenplatz zu wenig war. Letztendlich reicht es nur mehr für Platz 7. Und für Michi bedeuteten seine 224 die Absicherung der Silbermedaille. Christoph konnte sich mit seinen 142 (!) gerade noch als letzter ins All Event Finale der besten 12 spielen. Also haben wir auch morgen nochmals Medaillenchancen.
Hätten wir am ersten Tag des Teambewerbes auch so gespielt, eine Medaille wäre den Burschen nicht zu nehmen gewesen. Aber so ……………
Dieser Bewerb zeigte aber auch einige Tatsachen auf :
Erstens haben wir mit Benni und Mario 2 wirklich hoffnungsvolle Nachwuchsspieler, die sicher einmal in die Fusstapfen eines Michi Loos und Leo Grundschober treten können – vorausgesetzt, sie arbeiten jetzt brav weiter, versuchen ihre Schwächen zu verbessern und bleiben vor allem charakterlich so, wie sie jetzt sind. Beide haben sich hier absolut toll verkauft und ich bin sehr stolz auf sie. Das kann auch Österreich sein !
Zweitens haben wir gesehen, wo generell die Schwächen der heutigen Jugend liegen – der Strike zählt in den Köpfen der meisten mehr als ein Spare. Lieber 200 mit 7 Strikes als mit bravem Sparespiel. Genau dieses Denkensweise bewirkt aber, dass nahezu jeder irgendwann mal zumindest eine 150er drinnen hat.
Drittens ist das Teamdenken, „einer für alle – alle für einen“ offenbar schon aus der Mode gekommen. Wenn das ICH über dem WIR steht, dann darf man sich nicht wundern, wenn selbst sicher scheinende Erfolge ausbleiben.
Viertens, und das ist ein wirklich ewig leidiges Thema, lässt die Kondition der Kids zu wünschen übrig. Solange wir es nicht schaffen, auch Bowling als Sport zu verstehen und neben dem Training auf der Bahn auch etwas für Körper und Geist tun, werden in entscheidenden Situationen auch immer wieder Fehler passieren. Ohne Kondition keine Konzentration auf längere Zeit – alles bekannt, aber dennoch immer wieder verworfen.
Last but not least möchte ich festhalten, dass dies mit diesen beiden Silbermedaillen schon jetzt die erfolgreichste Jugend EM für Österreich war. Morgen können wir noch etwas draufsetzen und ich muss wirklich sagen, dass hier in der Halle sehr viele Leute unserem Michi alles zutrauen. Er hat hier bisher eine sehr gute Vorstellung geliefert und das Round Robin ist schließlich „sein Bewerb“.
Halten wir unseren beiden Finalisten – trotz allem, was in den letzten Tagen im Forum zu lesen war und was ich sonst aus Österreich für Meldungen kolportiert bekam – die Daumen.
So blöd sie oft handeln, so sind sie doch „unsere Jungs“ – jedenfalls aber „meine“. Sie werden daheim ohnehin am eigenen Leib erfahren, was sie hier falsch gemacht haben. Ich hoffe dennoch (wie immer) dass sie eines Tages aus ihren Fehlern lernen und wenigstens keinen davon nochmals begehen.
Wolfgang