EYC 2015 – Das Tagebuch des Thomas Tybl

Tag 7/8:
Das Einzel stand auf dem Programm und die Hoffnung, doch noch mehr Spieler in das Mastersfinale zu bringen. Paul und Marco kämpften wirklich sehr darum, doch die Mühe blieb leider unbelohnt. Während sich beide Spieler von Frame zu Frame mühten, hatten sie weder Pinglück, das man natürlich dazu braucht, leider kamen auch ein paar kleine Fehler, die man sich natürlich nicht leisten sollte. Paul konnte man gegen Ende ein wenig Müdigkeit anmerken, wo er es dann nicht mehr schafft, die Bälle mit der nötigen Genauigkeit zu spielen, Marco hingegen macht sich mit schlampigen Eigenfehler leider selbst das Leben schwer. 35 Pin fehlten am Ende, die man natürlich überall suchen kann, aber leider am ehesten am ersten Tag im Team, an dem er wirklich eine rabenschwarzen Tag erwischte, zu finden sind.

Philipp und Marco K. waren leider schon chancenlos, machten aber ihre Sache auf ihrem Level gut. Leider bei beiden noch viel zu viele Fehler, die man aber durch Training weg bekommt. Hoffe, dass beide bei der Sache bleiben und sie aus ihrem Auftritt etwas gelernt haben.

Sarah begann ihr Einzel für ihre Verhältnisse sehr gut, auch mit dem Lächeln klappte es besser. Leider war ihr aber sehr deutlich die Müdigkeit ihres ersten großen Turniers dann anzumerken. Für sie gilt weiter arbeiten, wir brauchen Mädels in Zukunft, und wenn sie an den Dingen arbeitet, wird sie schon sehr bald eine bessere Spielerinn werden.

Kommen wir zu unserer Fahnenträgerin Jaqueline. Beim Einzel war ihr, denke ich, das erste Mal bewusst, was sie bisher erreicht hatte, und sie lernte zum ersten Mal in ihrer noch jungen Karriere den internationalen Druck kennen. Dass sie vor dem Einzel 2 Tage Pause hatte, erleichterte ihr die Sache nicht wirklich, aber kann man nicht ändern, es ist für alle gleich.

Sie rackerte 6 Spiele lang, die Leichtigkeit hatte sie leider nie, doch sie kämpfte verbissen um jeden Pin und sie belohnet sich mit Platz 7 in der All Events-Wertung. Ein wahrhaftig großartiger Erfolg für ihre 14 Jahre, den sie sich absolut verdient hat. Natürlich konnte man von einer All Events-Medaille träumen, wer von uns tat es nicht, doch bei aller Träumerei muss man auch ein wenig geduldig sein und wirklich diesen 7 Platz genießen.

Mastersfinale
Wer es nicht gesehen hat, der hat einen Krimi versäumt. Jaqueline gegen Burghard aus Deutschland. Vom ersten Frame bis zum letzten im 2. Spiel waren sie immer gleichauf. Bei solchen Duellen entscheiden nur mehr Kleinigkeiten, ein wenig mehr Pinglück, ein kleiner taktischer Zug usw.

Leider für uns hatte Bettina das besser Ende für sich, jedoch dieses Spiel hatte eigentlich keine Verlierer verdient, muss aber so sein. Nachdem Spiel 1 mit 175 zu 171 verloren ging, kam es zum offenen Schlagabtausch im Spiel 2, das mit 245 zu 245 endete. One Ball Rolloff hieß es nun, und beide Spielerinnen spielten den exakt selben Ball, beide waren zu hoch in der Gasse, Jaqueline hatte 4/7 stehen, Bettina 4/9, der 9er fiel, das Match war vorbei. Ein Stück weit waren wir alle in einem kleinen Schockzustand, denn wir alle glaubten nicht, dass es jetzt vorbei war, doch so ist es nun einmal.

Hut ab vor diesem Abschluss einer wahrlich großartigen Jugend EM für Jaqueline, auch wenn wir mit leeren Händen da stehen, können wir vieles, vieles mitnehmen.

Resümee
Eine tolle Woche mit den Jungs und Mädels und dem gesamten Betreuerteam geht vorbei, was können wir mitnehmen? Marco K. und Sarah, leider in Vorarlberg sehr weit weg von uns und deshalb nicht so ganz einfach zu trainieren. Günter versucht sie zumindest einmal für 2 Tage nach Wien zu holen, um mit ihnen Stück für Stück zu arbeiten. Für beide war dieser Bewerb absolutes Neuland, technisch noch nicht ausgereift, haben sie aber schon auch zeigen können, dass sie in Zukunft noch etwas erreichen können. Arbeit, Arbeit, Arbeit wird auf sie zukommen, dann können beide sehr schnell sich um 1 – 2 Klassen verbessern

Philipp hatte leider im Vorfeld nicht die leichteste Situation, doch er ist schon auch ein kleiner schlampiger Kerl. In ihm würde noch viel mehr stecken, wenn er alles in Ruhe auf die Reihe bringt und dann konsequent und dauerhaft trainieren gehen würde. Nur Gefühl reicht alleine nicht, das hat man dort gesehen, doch jetzt liegt es an dir, lieber Philipp, aus deinem Talent etwas zu machen.

Unser Pauli ist auch ein kleiner „was ist Training?“ Vertreter. Hoffe ja doch, dass er jetzt bei der Sache bleibt und ich nicht fragen muss, denn auch in ihm steckt noch einen Menge mehr. Lieber Pauli, du musst es wollen, dann gibt es auch einen Weg. Diese EM hat dir eindeutig gezeigt, was in dir steckt, jedoch auch, was dir fehlt, aber all das ist trainierbar.

Für Marco ging leider sein Traum, einmal ins Masters zu kommen, nicht in Erfüllung. Warum, das hat viele Gründe. Bowling ist es nicht, denn dort gab es keine 24 Besseren, was das Spieltechnische betrifft. Locker lassen, heißt es für ihn, Bowling ist ein Teil des Lebens, aber es ist nicht das Leben. Zuviel Wertigkeit darf man nicht in die Waagschale werfen, sonst ist der Druck höher als die Aufgabe. Auch technisch ist bei ihm noch einiges zu verbessern, ich bin überzeugt, dass er es trainieren wird, aber lieber Marco: Bowling ist ein Sport und ein Spiel und dieses Spiel muss gespielt werden, mit Gewalt geht da gar nichts. Aber egal, wie es gelaufen ist, seine Einstellung war zu jeder Sekunde top.

Am Ende möchte ich noch ein paar Worte über Jaqueline schreiben. Es war bemerkenswert dich hier spielen zu sehen, nicht nur ich, sondern ich denke über die Grenzen hinaus hast du gezeigt, was hier für ein Talent heran wächst. Nicht einmal habe ich die Frage gehört: Ist sie wirklich 14? Deine Aufgabe wird jetzt ein wenig schwerer, aber sicherlich schöner, denn unbekannt bist du jetzt nicht mehr. Aber wenn du mit derselben Begeisterung, mit derselben Einstellung weiter diesen Weg gehst, dann kannst du eine ganz ganz Gute in der Bowlingwelt werden. Noch ist viel zu tun, am Boden bleiben und arbeiten, konsequent die Bausteine legen und dein Fundament so stabil wie möglich bauen. Ich helfe dir sehr gerne dabei, und ich war ganz ehrlich begeistert von deinem Auftreten. Ich freue mich, dass ich eine Zeit lang den Weg mit dir gehen darf, freue mich darauf, dass du natürlich mit in die Riesenaufgabe Damen-Heim-EM 2016 gehen wirst. Ich bin wirklich stolz auf dich, wie du diese EM gespielt hast: HUT AB.

Ja dann bleibt eigentlich nur mehr mich zu bedanken für die tollen Tage in Leipzig, vorranging danke ich den Spielern, die ein vorbildliche Einstellung und Benehmen hatten. Ja, dem ganzen Betreuerteam mit Günter, Jutta, Corina gehört für ihre Arbeit gedankt. Ganz und gar nicht zu vergessen Markus und Sandra, die in der Menge die kleine österreichische Fantribüne war und die zu jeder Zeit hilfsbereit und mit Rat und Tat zur Seite stand. Gabi, Georg, Raimund und Christine auch einen Riesendank für die Unterstützung unseres ganzen Teams. All ihr habt beigetragen, dass wir, obwohl wir mit leeren Händen da stehen, auf eine super Zeit zurückblicken können und trotz allem vieles mitnehmen können, was wir zu verbessern haben. Zum Ende noch einen Riesendank an dich, lieber Toni, vom gesamten Team, denn wie wir wissen, wie schwer es uns seitens des Landes gemacht wird, aber trotzdem kämpfst du unbeirrt für uns, dass wir hier unser Land vertreten dürfen.

TT