Christoph Rohrmoser
Anlässlich des Vienna Open 2015 fand ich, es wäre mal Zeit ….
… den Turnierdirektor Thomas Gross und nicht den Spieler oder 50-fachen Staatsmeister zu interviewen. Lest was dabei rauskam…..
Hallo Thomas, wir stehen kurz vor der 13. Auflage des Vienna Open. Was dürfen wir heuer erwarten?
Hallo Christoph. Hoffentlich wieder ein gut organisiertes Turnier ohne technische Probleme. JJ kommt wieder und wir werden ein dem Feld angepasstes Ölmuster auflegen. Nachdem wir nach der Bahnenbegradigung jetzt auch die gesamte Bahn ausnützen können, bin ich gespannt, auf was wir uns einigen.
Wie viel Einfluss hat der Turnierveranstalter auf die Ölung?
Nun ja, ich kann schon Wünsche äußern betreffend ungefährem Cut und auch, welchen Bereich der Bahn ich bespielt sehen möchte. Den Rest macht der erfahrene Kegelmitarbeiter 🙂
Gibt es schon eine Tendenz bei der Ölung?
Wir haben heuer, auch wegen der bevorstehenden Damen EM im kommenden Juni, viele Damen im Feld. Ich werde daher versuchen, keine 45 Fuss Ölung aufzulegen, wenn du verstehst was ich meine 🙂
Apropos, wie steht es mit der Beteiligung? In den vergangenen Jahren waren wir ob der Spielstärke des Feldes sehr verwöhnt.
Es wird heuer nicht die Masse an Profis und Semiprofis in Wien starten; zu viele Überschneidungen kosten uns viele Stammspieler. Also eine Chance für viele andere.
Wie das?
In Schweden ist z. B. ein Ligastart; der verpflichtet viele der Stammkräfte in den einzelnen Mannschaften. In Russland ist der World Cup Qualifier. Meines Wissens nach sind auch die PanAmerican Games zur gleichen Zeit. Würde ich genauer forschen, würde ich noch mehr Überschneidungen finden, fürchte ich. Dazu kommt, dass wir zuletzt Back to Back Gold Turniere hatten mit dem German Open vor unserem Turnier. Das lockt auch Spieler aus Übersee etc. an. Nachdem es die German Open nicht mehr gibt, fällt auch dieser Bonus weg. Summa summarum fehlen mir sicher 50 Spieler(innen), die im Normalfall um den Cut mitspielen und so einen gesunden Konkurrenzkampf auslösen (auch wirtschaftlich). Hätten wir nicht außerordentlich große Schweizer und französische Delegationen heuer, würde das Turnier mit Sicherheit ein wirtschaftliches Desaster werden, so hoffe ich noch.
Eigentlich ungewöhnlich, da Wien bisher fast immer sehr gut besucht war. Wie steuert man da dagegen?
Wenn das Turnier einmal ausgeschrieben ist, kann man nur schwer entgegen steuern. Aber wir haben uns im Vorfeld schon einiges überlegt, vor allem auch für die heimischen Spieler. Leider wurde es bisher noch nicht in dem Maß angenommen, wie ich mir das erhofft habe. Wir bieten z. B. ein Package für Spieler an, die am Montag und/oder Dienstag Zeit haben (2 Starts und ein neuer Ball um EUR 300,–). Wir haben Saisonanfang und viele schauen nach einem neuen Ball – da habe ich schon gehofft, dass einige das verbinden. Wir haben Sonderpreise für das jeweils höchste Doppel in den ersten 6 Squads (jeder einen neuen Ball). Wir haben auch Packages für die internationalen Spieler geschnürt – diese werden übrigens besser angenommen.
Woran liegt das deiner Meinung nach?
Ehrlich gesagt glaube ich, dass viele heimische Spieler die Ausschreibung gar nicht lesen (viele internationale übrigens auch nicht, es jedem zu erklären kostet mich Stunden meines Lebens 🙂 ). Ich denke nämlich immer noch, dass unsere Angebote attraktiv sind, vor allem das Ball Package zu Beginn der Woche (einige Finnen denken das übrigens auch und nutzen es). Wenn du von einem durchschnittlichen Ballpreis von EUR 200+ ausgehst (immerhin ist einer der angebotenen Bälle der brandneue Columbia 300 Swerve), dann weißt du, dass dich 2 Starts nur rund EUR 100,– kosten – das finde ich persönlich sehr attraktiv.
Siehst du noch die Chance auf ein wirtschaftlich positives Turnier?
Ich bin Realist, deshalb fürchte ich, dass es heuer in die Hose geht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich schreibe immer noch fast täglich Leute an, aber jetzt noch wen zu überzeugen ist schon mehr Glück als sonst was. Helfen könnte dem Turnier noch eine starke einheimische Beteiligung. Wenn wir das Turnier nicht sterben lassen wollen, dann brauche ich ein starkes Zeichen der Österreicher. Ich hatte in der Vergangenheit schon das Gefühl, dass alle die Anwesenheit der Superstars genossen hat.
Aber jetzt ehrlich, was erwartest du dir? Die Chance, dass der Durchschnittsösterreicher was gewinnt, ist doch eher bescheiden, oder? Und dafür sind die Startgelder schon recht stolz.
Natürlich verstehe ich, dass der 185 Schnitt Spieler nicht das Samstag 21 Uhr Entry um EUR 170,– spielt. Das wäre für mich als Veranstalter wunderbar, aber nicht realistisch. Aber viele können im Rahmen ihrer Möglichkeiten was beitragen, z. B. das 9=Strike am Sonntag zu spielen oder das Ball Package zu nehmen, wenn sie einen neuen Ball brauchen. Oder einfach mal einen der günstigen Starts versuchen und die Atmosphäre des Turniers inhalieren. Wir haben 2 Durchgänge 9=Strike am Sonntag davor (= 27. September) auf der Turnierölung, und die Spieler qualifizieren sich innerhalb von Schnittgruppen, also der 200 Schnittspieler tritt nicht gegen den 160 Schnittspieler an, sondern man spielt „untereinander“.
Ich habe übrigens auch Stammgäste, die sich einmal im Jahr einen teuren Start inmitten der internationalen Stars gönnen und es total genießen. Stell dir vor, jeder Spieler der obersten Spielklassen spielt einen Start, je nach Stärke, entweder 9=Strike oder einen Turnierstart. Und stell dir vor, jeder, der sich einen neuen Ball leisten will, riskiert das Ball Package – das würde vieles erleichtern 🙂
Wie geht es euch mit den sonstigen Vorbereitungen?
Wir sind soweit fast startklar. Das Team ist eingespielt und ich mache mir hier überhaupt keine Sorgen. Außerdem kann man sich auf helfende Hände verlassen in Österreich.
Was passiert, wenn das Turnier heuer einen Verlust erwirtschaftet?
Dann fürchte ich, war es das letzte Vienna Open.
Das wäre unheimlich schade! Alles Gute für´s VO – und natürlich auch für Dich und Deine Familie!
Danke!